{"id":70,"date":"2015-03-21T20:09:50","date_gmt":"2015-03-21T19:09:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schlafhacking.de\/blog\/?p=70"},"modified":"2016-10-08T09:25:33","modified_gmt":"2016-10-08T07:25:33","slug":"tacs-zur-klartrauminduktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlafhacking.de\/blog\/?p=70","title":{"rendered":"tACS zur Klartrauminduktion?"},"content":{"rendered":"<p><i>Ein Gastbeitrag von steeph vom Podcast <a href=\"http:\/\/www.blucid.de\/\" target=\"_blank\">BLucid<\/a><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><span style=\"color: #ff0000\"><strong>Ich \u00fcbernehme keine Haftung f\u00fcr jegliche durch die Anwendung einer der in diesem Artikel erw\u00e4hnten oder verlinkten\u00a0Techniken oder Ger\u00e4te entstandenen\u00a0Sch\u00e4den. Wer sich entscheidet, eine solche\u00a0anzuwenden, tut das auf eigene Gefahr. Ich rate grunds\u00e4tzlich davon ab.<\/strong><\/span><br \/>\nSorry daf\u00fcr. Lieber ein mal zu viel als ein mal zu wenig.<\/p>\n<p>Klartr\u00e4umer denken sich st\u00e4ndig neue M\u00f6glichkeiten aus, die Klartraumh\u00e4ufigkeit zu steigern. Immer wieder liest man in den Foren und Blogs von neuen Varianten und Kombinationen von Induktionstechniken. Selten ist etwas wirklich Neues dabei. Das ist nicht verwunderlich, da es seit den Neunzigern kaum neue Erkenntnisse \u00fcber die psychologischen und neurologischen Eigenschaften von Klartr\u00e4umen gibt. Zwar gibt es Forschung und auch interessante Ergebnisse in dem Bereich, die ich damit nicht kleinreden m\u00f6chte, doch Klartr\u00e4ume sind eben immer noch eine recht kleine Disziplin.<\/p>\n<p>Letztes Jahr aber wurde eine Studie ver\u00f6ffentlicht, auf deren Erkenntnisse eine ganz neue Induktionsvariante aufbaut. tACS steht f\u00fcr Transcranial Alternating Current Stimulation, also die Stimulation des Sch\u00e4dels mithilfe von Wechselstrom. Diese Studie von <a href=\"http:\/\/user.uni-frankfurt.de\/~voss\/homepage\/\" target=\"_blank\">Ursula Voss<\/a> et al. mit dem Titel &#8220;<a href=\"http:\/\/www.nature.com\/neuro\/journal\/v17\/n6\/abs\/nn.3719.html\" target=\"_blank\">Induction of self awareness in dreams through frontal low current stimulation of gamma activity<\/a>&#8221; brachte eine gro\u00dfe Zahl von teils sehr hoffnungsvollen und euphorischen Blogeintr\u00e4gen hervor (<a href=\"http:\/\/www.nature.com\/neuro\/journal\/v17\/n6\/nn.3719\/metrics\/blogs\" target=\"_blank\">Eine kleine Auswahl<\/a>). Was hat die Studie herausgefunden? Auch in den weniger aufgeregten Artikeln ist zu lesen, dass die Forscher in der Lage waren, bei den Probanden in 77\u00a0% der F\u00e4lle Klartr\u00e4ume zu erzeugen, indem sie einen Wechselstrom mit 40\u00a0Hz durch ihre Sch\u00e4del flie\u00dfen lie\u00dfen. Die Probanden wurden am Sch\u00e4del mit unterschiedlichen Frequenzen stimuliert. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC2737577\/\" target=\"_blank&quot;\">Fr\u00fchere<\/a> <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3369221\/\" target=\"_blank\">Forschung<\/a> hat gezeigt, dass w\u00e4hrend Klartr\u00e4umen in einem <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Dorsolateral_prefrontal_cortex\" target=\"_blank\">Bereich<\/a>, der unter anderem f\u00fcr die Handlungsplanung\/Entscheidungsfindung und andere kognitive Funktionen zust\u00e4ndig ist, Hirnwellen mit einer Frequenz von 40\u00a0Hz dominieren (etwa so wie das auch im Wachzustand \u00fcblich ist). Man hoffte also, dass bei einer Stimulation mit 40\u00a0Hz des entsprechenden Bereichs dieser aktiviert und so quasi auch das Bewusstsein eingeschaltet\u00a0werden kann. Damit die Darstellung des Erfolgs so stimmt muss man aber eine zumindest bisher \u00e4u\u00dferst un\u00fcbliche Definition von Klartr\u00e4umen annehmen,<br \/>\nso wie es die Studie tat. Nur wenige Autoren haben <a href=\"http:\/\/www.wired.com\/2014\/05\/psychologists-give-people-control-of-their-dreams-using-brain-stimulation-really\/\" target=\"_blank\">kritisch<\/a> genug nachgesehen, um berichten zu k\u00f6nnen, was die Studienergebnisse im Detail wirklich waren. Selbst manche wissenschaftliche Artikel <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/neuro\/journal\/v17\/n6\/full\/nn.3727.html\" target=\"_blank\">stellen die Ergebnisse so vereinfacht dar<\/a>. Es dauerte eine Weile, bis sich die Kritik an der Studie ausbreitete. Darauf m\u00f6chte ich hier nicht im Detail eingehen. Kurz zusammengefasst waren die Auswirkungen der Stimulation auf die <a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S1053810012002103\" target=\"_blank\">f\u00fcr Bewusstsein relevanten Merkmale der Tr\u00e4ume<\/a> in den meisten F\u00e4llen nicht so gro\u00df, dass man einen typischen Klartraum annehmen w\u00fcrde bzw. wie es die verwendete Terminologie vermuten l\u00e4sst. Aber die Auswirkungen sind vorhanden. Nach der Einsch\u00e4tzung anderer Klartraum-Forscher kann die tACS die Klartrauminduktion m\u00f6glicherweise unterst\u00fctzen, wird aber nur denjenigen eine deutliche Hilfe sein, die ohnehin schon h\u00e4ufig klar tr\u00e4umen. So verh\u00e4lt es sich auch <a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S1053810013001098\">bei der Stimulation mit Gleichstrom<\/a>. Die Kritik, die z.B. der Blogger The Neurocritic <a href=\"http:\/\/neurocritic.blogspot.co.uk\/2014\/05\/does-gamma-tacs-really-induce-lucid.html\" target=\"_blank\">sehr gut zusammengefasst<\/a> hat, richtet sich nicht an die Methodik, sondern nur an die Darstellung, 77\u00a0% der Versuche mit einer 40-Hz-Stimulation h\u00e4tten zu Klartr\u00e4umen gef\u00fchrt. Die Bedeutsamkeit der Studie liegt eher in <a href=\"http:\/\/www.lucidsage.com\/interview-with-dr-ursula-voss-phd\/\" target=\"_blank\">anderen Bereichen<\/a>.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise liegt es an dem Missverst\u00e4ndnis \u00fcber die beobachtete Effektivit\u00e4t des Stimulations-Verfahrens, oder daran, dass viele Klartr\u00e4umer jeder Spur von Chance auf eine Erh\u00f6hung der Klartraumrate mit Begeisterung nachgehen. Jedenfalls versuchen seit der Ver\u00f6ffentlichung der Studie viele, teils mit hohem eigenem Aufwand, die scheinbar \u00fcberraschend gro\u00dfen Erfolge zu reproduzieren. Auch ich habe mich dazu hinrei\u00dfen lassen, eigene Experimente anzustellen. Dazu braucht man zweierlei: Ein tACS-Ger\u00e4t, das die ben\u00f6tigten Einstellungen bietet und den Mut, sich elektrischen Strom durch den Sch\u00e4del zu jagen. Letzteres kann man erlangen, indem man sich ausgiebig \u00fcber die Risiken und Gefahren, sowie \u00fcber die Technik (sowohl tACS als auch die den Ger\u00e4ten zugrundeliegende Elektronik) informiert. (Mehr dazu weiter unten.) Wenn man eine besonders kritische Sicht haben m\u00f6chte, kann man au\u00dferdem seinem Arzt von dem Vorhaben erz\u00e4hlen und ihn fragen, worauf zu achten ist. (Vorausgesetzt man hat einen guten Arzt.) Hier m\u00f6chte ich mich aber mit der Beschaffung und dem Einsatz der Technik besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Man kann professionelle tACS-Ger\u00e4te kaufen, zum Beispiel <a href=\"http:\/\/www.neuroconn.de\/dc-stimulator_plus_en\/\" target=\"_blank\">solche, wie sie in der bekannten Studie verwendet wurden<\/a>. Daf\u00fcr muss man aber eine Klinik oder sonstige Einrichtung mit gutem Einsatzzweck sein und bereit sein, einige tausend Euro auszugeben. <a href=\"http:\/\/www.neurolite.ch\/en\/products\/tdcs\/starstim\" target=\"_blank\">Andere Ger\u00e4te<\/a> sind zwar g\u00fcnstiger, kommen aber nicht ann\u00e4hernd in den Bereich, wo sie f\u00fcr Hobby-Anwender erschwinglich w\u00e4ren. Die Alternative ist selber Bauen. Zwar gibt es <a href=\"https:\/\/www.reddit.com\/r\/tdcs\/wiki\/faq#wiki_devices\" target=\"_blank\">eine Reihe von fertigen tDCS-Ger\u00e4ten (Transcranial Direct Current Stimulation) f\u00fcr 200 Dollar und (teilweise deutlich) weniger<\/a>, sowie <a href=\"http:\/\/www.instructables.com\/id\/Build-a-Human-Enhancement-Device-Basic-tDCS-Suppl\/\" target=\"_blank\">sehr simple Baupl\u00e4ne f\u00fcr eigene tDCS-Ger\u00e4te<\/a>. Die geben aber nunmal einen Gleichstrom und keinen Wechselstrom ab. Die Stromst\u00e4rke kann zwar bei den meisten Ger\u00e4ten manuell gesteuert werden, aber f\u00fcr eine Frequenz von 40\u00a0Hz sind sie nicht ausgelegt, zumal man wach sein muss um die Einstellung zu \u00e4ndern. Offenbar ist die Nachfrage an g\u00fcnstigen tACS-Ger\u00e4ten in der <a href=\"http:\/\/www.diytdcs.com\/\" target=\"_blank\">DIY<\/a>&#8211;<a href=\"https:\/\/www.reddit.com\/r\/tDCS\/\" target=\"_blank\">Gemeinde<\/a> (noch) nicht gro\u00df genug, dass die Hersteller auch die vergleichsweise aufw\u00e4ndigen Ger\u00e4te mit geregeltem Wechselstrom anbieten. Es gab schon ein paar Ans\u00e4tze, ein <a href=\"https:\/\/nocko.se\/2012\/08\/08\/opentdcs\/\" target=\"_blank\">quelloffenes<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.neuroplustech.com\/TM01\/tACS_design_log.htm\" target=\"_blank\">kommerzielles tACS-Ger\u00e4t f\u00fcr Hobbyisten<\/a> zu entwickeln. Ein fertiges, das den Anforderungen gen\u00fcgt, hat die Community aber noch nicht hervorgebracht.<br \/>\nDas letzte Wort ist hier aber noch nicht gesprochen. Das Interesse f\u00fcr die Technologie steigt, zusammen mit der Anzahl <a href=\"https:\/\/scholar.google.de\/scholar?as_vis=1&amp;q=transcranial+%22current+stimulation%22&amp;as_sdt=1,5\" target=\"_blank\">wissenschaftlicher Studien<\/a>, die neue Einsatzzwecke erforschen, in letzter Zeit immer schneller. Anbieter kosteng\u00fcnstiger Ger\u00e4te vermelden in den letzten Monaten steigende Verkaufszahlen und die Beitragsrate in den Foren steigt. So kann man auch damit rechnen, dass neue <a href=\"http:\/\/hackaday.io\/project\/3715-lucid-dreaming-device-tacs\" target=\"_blank\">Schaltpl\u00e4ne<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.instructables.com\/id\/DIY-tACS-Hardware-for-machine-human-telepathy-expe\/\" target=\"_blank\">Anleitungen<\/a> erscheinen werden, die Hobbybastlern den Bau eines einsatzf\u00e4higen Ger\u00e4tes erm\u00f6glichen. Eine weitere Quelle f\u00fcr einen bezahlbaren tACS-Stimulator k\u00f6nnte das <a href=\"http:\/\/www.foc.us\/\" target=\"_blank\">foc.us<\/a> sein. Dieses kommerzielle Headset bietet f\u00fcr einen immerhin niedrigen dreistelligen Betrag bisher nur tDCS-Protokolle. Ein <a href=\"http:\/\/blog.foc.us\/post\/111463073317\/tacs-trns-tpcs-sham-double-blind-and-voltage\" target=\"_blank\">k\u00fcrzlich herausgegebenes Firmware-Update<\/a> f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/www.foc.us\/v2-tdcs-developer-edition\" target=\"_blank\">Entwickler-Version<\/a> r\u00fcstet aber eine ganze Menge neue Funktionen nach. Die foc.us-Produkte haben jedoch aufgrund ihrer kostensparenden Elektrodenimplementierung den Ruf, es mit der Sicherheit der Anwender nicht so genau zu nehmen.<\/p>\n<p>Was muss so ein Ger\u00e4t k\u00f6nnen, um als tACS eingesetzt werden zu k\u00f6nnen? Es muss<\/p>\n<ul>\n<li>Einen niedrigen Wechselstrom (sinus, um 1\u00a0mA) an zwei Elektroden abgeben (bei mehr Kan\u00e4len entsprechend mehr Elektroden)<\/li>\n<li>Die Stromst\u00e4rke sicher und exakt auf eine vorgegebene oder vorher eingestellte Stromst\u00e4rke regeln<\/li>\n<li>Bei zu starkem Strom oder anderen Problemen sofort abschalten<\/li>\n<li>Batteriebetrieben sein<\/li>\n<li>F\u00fcr den Einsatz im Schlaf die Stimulation erst nach dem Ablauf einer Wartezeit oder beim Empfangen eines Signals starten<\/li>\n<li>F\u00fcr Klartr\u00e4umer ohne Elektronik-Studium herstellbar sein. Auf weitere Sicherheitsma\u00dfnahmen wird deshalb notgedrungen verzichtet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Elektroden sind einfach selbst zu basteln. In Europa hat sich die Variante &#8220;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bEPybzTr-V4\" target=\"_blank\">K\u00fcchenausstattung<\/a>&#8221; durchgesetzt. In Amerika gibt es ein gr\u00f6\u00dferes Angebot an <a href=\"https:\/\/thebrainstimulator.net\/product\/2x2-amrex-sponge-electrodes\/\" target=\"_blank\"> relativ g\u00fcnstigen Schwamm-Elektroden<\/a>. Die Gr\u00f6\u00dfe der Elektroden entscheidet, wie umfangreich der stimulierte Bereich ist. F\u00fcr tDCS und tACS wird die aufgrund der Sch\u00e4deldecke ohnehin schon weit verteilte Stimulation meist noch weiter verteilt, indem feuchte Schwamm-Elektroden mit mehreren Zentimetern Kantenl\u00e4nge eingesetzt werden, um einen zu geringfl\u00e4chigen \u00dcbergangswiderstand zu vehindern.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Regelung muss der tats\u00e4chlich flie\u00dfende Wechselstrom kontinuierlich gemessen und ggf. angepasst werden. TENS-Ger\u00e4te (Transkutane Elektrische Nervenstimulation), die\u00a0zur Schmerzbehandlung oder zum Muskelaufbau verwendet werden, kommen deshalb nicht infrage. Selbst wenn es ein Ger\u00e4t ist, bei dem eine Stromst\u00e4rke von nur 1\u00a0mA und eine Frequenz in dem f\u00fcr unseren Zweck gew\u00fcnschten Spektrum eingestellt werden kann oder wenn das Ger\u00e4t entsprechend modifiziert wurde, gibt es in Wirklichkeit eine feste Wechselspannung ab. Die angegebene Stromst\u00e4rke ergibt sich aus einem konstant angenommenen Widerstand von z.B. 5000 \u03a9. Der tats\u00e4chliche K\u00f6rper- und \u00dcbergangswiderstand wird zwar h\u00e4ufig dar\u00fcber liegen, kann aber auch deutlich niedriger sein, z.B. wenn die Elektroden beide an der Stirn angebracht werden. Die Tatsache, dass der tats\u00e4chlich flie\u00dfende Strom dem TENS-Ger\u00e4t egal ist, macht sie in jedem Fall f\u00fcr die Anwendung am Sch\u00e4del ungeeignet. Es gibt weitere Nachteile dieser Ger\u00e4te, die aber im Vergleich dazu weniger kritisch sind.<\/p>\n<p>Die Stimulierung erst bei Auftreten von REM-Schlaf automatisch zu aktivieren ist ein eigenes Thema. Die daf\u00fcr n\u00f6tige Technik existiert unabh\u00e4ngig von der transkranialen Stromstimulation. Zum Beispiel bietet die Windows-Software <a href=\"http:\/\/lucidcode.com\/lucidscribe\/\" target=\"_blank\">Lucid Scribe<\/a> die M\u00f6glichkeit, bei Erkennen von starken Augenbewegungen ein USB-Relais zu schalten oder eine Nachricht \u00fcber einen Seriellen Port zu senden.<\/p>\n<p>Es gibt unter den tACS-Baupl\u00e4nen der DIY-Community ein Modell, das den Anforderungen sehr nahe kommt. Von <a href=\"http:\/\/sourceforge.net\/projects\/openbrainstim\/\" target=\"_blank\">OpenStim findet man auf Sourceforge<\/a> einen Bauplan, eine Arduino-Firmware und eine Java-Anwendung zum Testen der Hardware und zum Steuern und \u00dcberwachen der Sitzung. Urspr\u00fcnglich sollte sich dieser Artikel haupts\u00e4chlich diesem Projekt widmen. Und es g\u00e4be vieles dar\u00fcber zu schreiben. Ich habe einige Erfahrungen mit OpenStim-Nachbauten und Modifikationen gesammelt, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass es sich nicht lohnt, den Code oder die Hardware weiterzuentwickeln um einen g\u00fcnstigen Stimulator f\u00fcr Klartr\u00e4umer zu bekommen. Somit sehe ich auch keinen Sinn darin, eine genaue Beschreibung oder Anleitung (die der Projekt-Webseite eindeutig fehlt) zu schreiben. OpenStim hat ein grundlegendes Problem, das das Erzeugen von sinusf\u00f6rmigen Wechselstr\u00f6men und sehr niedrigen Str\u00f6men verhindert und au\u00dferdem einen geringen Spielraum in der Stromst\u00e4rke bewirkt: Zur Regelung des Ausgangsstroms wird statt einem D\/A-Wandler ein digitales Potentiometer verwendet. F\u00fcr meine Experimente habe ich zwar die Hardware etwas angepasst und den Code stark modifiziert, unter anderem um genauere Str\u00f6me und exakte Freuquenzen erreichen zu k\u00f6nnen, aber das Grundproblem bleibt. Folgende Probleme ergeben sich in der Praxis:<\/p>\n<ul>\n<li>Sehr niedrige Str\u00f6me k\u00f6nnen nicht abgegeben werden (je nach verwendeter Batterie und Widerst\u00e4nden\/Digipot).<\/li>\n<li>Deshalb ist es nicht m\u00f6glich, einen sinusf\u00f6rmigen Wechselstrom zu erzeugen.<\/li>\n<li>Auch verhindert dieser Umstand, dass die Stromst\u00e4rke zu Beginn langsam von 0 hochgefahren werden kann (Ramping).<\/li>\n<li>Die Methode der Strommessung ist nicht genau genug, um immer den gew\u00fcnschten Strom zu garantieren.<\/li>\n<li>Die Firmware ist nicht geeignet, hohe Frequenzen von z.B. 40\u00a0Hz zu erzeugen. Das kann aber leicht ge\u00e4ndert werden.<\/li>\n<li>Ein vorher abgespeichertes Protokoll soll zwar auch ohne manuelle Konfiguration zum Einsatzzeitpunkt abspielbar sein. Das funktioniert aber nicht komfortabel und zuverl\u00e4ssig genug. Auch das kann durch Anpassungen in der Firmware ge\u00e4ndert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich verfolge deshalb das Projekt nicht mehr weiter. Ein grundlegend neues Design w\u00e4re sinnvoll. M\u00f6glicherweise w\u00e4re auch <a href=\"https:\/\/www.reddit.com\/user\/ohsnapitsnathan\" target=\"_blank\">der Entwickler<\/a> des bisherigen daran interessiert. Auf Reddit reagiert er \u00fcblicherweise schnell auf Fragen zu OpenStim. Ein \u00e4hnliches Design, das mithilfe eines Mikrocontrollers und eines D\/A-Wandlers einen geregelten Wechselstrom erzeugt, w\u00e4re deutlich brauchbarer. Ein solches Ger\u00e4t zu entwickeln w\u00e4re auch nicht aufw\u00e4ndiger als es f\u00fcr OpenStim war. Allerdings habe ich angesichts der relativ niedrigen Erfolgsaussichten bisher davon abgesehen, dieses Projekt anzugehen.<\/p>\n<p>Meine praktischen Experimente mit OpenStim lassen sich kurz so zusammenfassen: Es gab keinen erkennbaren Erfolg. Den meisten, die \u00e4hnliche Experimente angestellt haben, geht es \u00e4hnlich oder genau so. Mit der <a href=\"http:\/\/www.dreamviews.com\/research\/151796-published-nature-neuroscience-77%25-induction-rate-electrodes-scalp-40-hertz-4.html#post2125328\" target=\"_blank\">Ausnahme eines Tr\u00e4umers<\/a> berichten alle entweder von Misserfolgen, von gef\u00fchlten leichten Erfolgen oder berichten gar nicht von den Ergebnissen. Allerdings fanden diese Versuche unter sehr unterschiedlichen Bedingungen statt, verwendeten unterschiedliche, teils unsinnig erscheinende Elektrodenplatzierungen, unterschiedlich starke, meist rechteckige Wechselstr\u00f6me und sind nur rudiment\u00e4r dokumentiert. Anspruchsvollere Studien k\u00f6nnten hier noch interessante Erkenntnisse bringen. F\u00fcr eventuelle eigene Experimente m\u00f6chte ich anregen, wenn es schon keine doppelverblindete Studie werden sollte, sich wenigstens mit anderen zusammen zu tun und vergleichbare Ergebnisse zu produzieren und zu dokumentieren. Weitergehende Versuche k\u00f6nnten zum Beispiel die genauen Unterschiede bei Stimulationen mit unterschiedlichen Frequenzen untersuchen oder auch zusammen mit Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln, wie Cholinen (Alpha-GPC) oder Galantamin, durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Anwendung von elektrischen Str\u00f6men im Kopfbereich erhebliche Gefahren birgt. Ich kann, m\u00f6chte und werde niemandem ohne der n\u00f6tigen biologischen\/medizinischen und elektrotechnischen Ausbildung und dem Wissen \u00fcber die umfangreichen Gefahren empfehlen, eigene Experimente mit elektrischer Stimulation im Kopfbereich durchzuf\u00fchren. Wer sich entscheidet, elektrischen Strom durch den Sch\u00e4del flie\u00dfen zu lassen, sollte besser ganz genau wissen, was er tut. Auch sehr geringe Str\u00f6me k\u00f6nnen gro\u00dfe Sch\u00e4den anrichten, Anf\u00e4lle ausl\u00f6sen oder t\u00f6ten! Die Anwendung im Schlaf kann zus\u00e4tzliche Gefahren mit sich bringen und sollte nur in Beisein einer weiteren Person durchgef\u00fchrt werden, die ggf. schnell eingreifen kann. Es gibt vieles, was man falsch machen kann, vor allem, aber nicht nur, mit selbst gebauten Ger\u00e4ten. Hier eine Auswahl an Stichpunkten, \u00fcber die man bescheid wissen und sich Gedanken gemacht haben sollte: Elektrodenauswahl, Elektrodenplatzierung, Elektrodenbefestigung, Verkabelung, sicheres Hardware-Design, sichere Software, Stromst\u00e4rke und -form, sonstige Ger\u00e4te-Konfiguration, Stimulationsdauer, Abschaltautomatik und andere Sicherungen, Erkrankungen oder Einschr\u00e4nkungen des Probanden, zuverl\u00e4ssige Strommessung im \u00b5A-Bereich, sichere Spannungsquelle, usw.<\/p>\n<p>Ein paar interessante Punkte wurden von diesem Artikel nicht so ausf\u00fchrlich behandelt. Zum Beispiel folgende Fragen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie sind die Ergebnisse der erw\u00e4hnten tACS-Studie genau zu interpretieren?<\/li>\n<li>Warum hat anscheinend ein Klartr\u00e4umer viel bessere Erfolge mit der Technik, als alle anderen?<\/li>\n<li>Welche Modifiaktionen an OpenStim w\u00fcrden helfen?<\/li>\n<li>Wie muss ein g\u00fcnstiges tACS-Ger\u00e4t f\u00fcr Schlafhacker aufgebaut sein?<\/li>\n<li>Welches Potential haben andere offene tACS-Projekte?<\/li>\n<li>Wie m\u00fcsste eine ordentliche eigene Studie zur \u00dcberpr\u00fcfung des Erfolgs der Stimulation aufgebaut sein?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn dich eine der genannten Fragen interessiert oder du generell an einer Fortsetzung des Artikels interessiert bist, lasse es mich bitte wissen.<\/p>\n<p><i>Kontakt: steeph@blucid.de<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastbeitrag von steeph vom Podcast BLucid Ich \u00fcbernehme keine Haftung f\u00fcr jegliche durch die Anwendung einer der in diesem Artikel erw\u00e4hnten oder verlinkten\u00a0Techniken oder Ger\u00e4te entstandenen\u00a0Sch\u00e4den. 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